FPV Racing: Eine Racer-Drohne zusammenstellen

 

FPV Racing habe ich erstmals Anfang 2015 auf YouTube mit diesem Video entdeckt. Ich selbst bin schon ein paar Jahre RC-Pilot (vorwiegend Flächenmodelle), „Drohnen“ waren mir bis vor kurzem aber immer zu gewöhnlich. Dies hat sich nun geändert. Denn ein FPV Racer-Quad macht sehr viel Spass. Erst recht, wenn man durch ein Hindernisparcours fliegt, oder sich mit anderen Teilnehmer misst.

Was FPV-Racing ist, was es für eine FPV Racer-Drohne alles braucht und was dabei zu beachten ist, möchte ich euch in diesem Beitrag erklären.


Was ist FPV Racing

FPV bedeutet First Person View. Also die Sicht aus der Egoperspektive. In diesem Fall also aus Sicht des Racer-Quad. Im Bezug auf FPV-Racing ist es natürlich besonders cool, weil man so das Gefühl hat, selbst in einem dieser Racer zu sitzen. FPV-Racing ist kurz gesagt also das Steuern einer Racer-Drohne aus der Egoperspektive. Sei es durch einen Wald, eine Tiefgarage, oder ein Hindernisparcours.


Die FPV Racer-Drohne

Die Racer-Drohne selbst ist ein kleiner Multicopter mit einer Diagonalen von ca. 180-250mm und drei bis sechs Motoren (Tri-, Quadro- und Hexacopter). Sie ist relativ leicht und extrem wendig. In diesem Beitrag beziehe ich mich auf eine 250er Racer-Drohne, da ich mir selbst eine solche zusammengebaut habe.
Der Unterschied einer Racer-Drohne gegenüber einem gewöhnlichen Multicopter ist vor allem die schnelle Reaktionsmöglichkeit, welche durch Motoren mit höheren Drehzahlen (2000-2600KV) erreicht wird.


Was brauche ich für ein FPV Racer-Drohne?

Für eine Racer-Drohne selbst eigentlich gar nicht viel. Die ganze FPV-Ausrüstung und der RC-Sender (falls noch nicht vorhanden) machen einen grossen Teil der Kosten aus. Grundsätzlich empfehle ich jedem der neu im RC-Flugbereich ist, erst mal mit einem gewöhnlichen Flächenmodell anzufangen um sich langsam in die Grundlagen des Fliegens einzuarbeiten. Denn es zeigt sich, dass Anfänger mit der Technik und der Steuerung oft überfordert sind. Dadurch vergeht die Freude an dem eigentlich schönen Hobby bereits bevor man überhaupt richtig damit begonnen hat. Die Racer-Drohne landet dann auf irgend einer Auktionsplattform zum Verkauf. Schlussendlich muss es aber jeder selbst Wissen.

Nachfolgend eine Auflistung aller Komponenten inkl. Zubehör und Kosten in Schweizer Franken. Die Preise beziehen sich auf neue Produkte und Markenartikel zum Zeitpunkt als dieser Artikel erstellt wurde.


RC-Sender

Es gibt verschieden RC-Sendeanlagen. Die gängigsten sind FrySky, Spektrum, Futaba und Gaupner. Ich würde eine Anlage von FrySky empfehlen. Diese ist preiswert und überzeugt qualitativ wie auch von Funktionsumfang. Wem eine neue Anlage zu viel ist der kann auf Online Auktionsplattformen nach günstigen Gebrauchtanlagen Ausschau halten.

  • 2.4Ghz RC-Sender – CHF 200.-


FPV-Zubehör

Beim FPV Equipment muss man sich entscheiden ob man über einen Monitor, oder per Videobrille fliegen möchte. Die Brille ist klar besser geeignet und auch das Flugerlebnis ist fantastischer. Jedoch muss laut Gesetz eine zweite Person zur Überwachung mit dabei sein und ggf. sogar die Kontrolle über das Racer-Quad übernehmen können.
Weiter ist es in den meisten EU Länder sowie in der Schweiz leider so, dass nur 5.8Ghz Videosender mit einer Sendeleistung von maximal 25mW erlaubt sind. Doch sogar diese hat das BAKOM teils schon verboten -> SIEHE LINK.

  • Videobrille – CHF 220.-
  • 5.8 Ghz Empfänger Modul – CHF 50.-
  • 5.8 Ghz Sender Modul – CHF 50.-
  • RX / TX Circular Antennen – CHF 20.-
  • FPV Kamera – CHF 35.-
  • TOTAL = CHF 385.-


Racer-Drohne

Es gibt unzählig verschiedene Komponenten mit welchen man eine Racer-Drohne bauen kann. Beim Frame sollte man darauf achten, dass es relativ massiv und nicht zu dünn ist. Vorteilhaft ist es, wenn das Frame aus mehreren Teilen besteht. So kann man, falls mal etwas kaputt geht, dass beschädigte Teil auswechseln, ohne gleich ein neues Frame wie z.B. das QAV250 von Lumenier (welches ohnehin sehr teuer ist) kaufen zu müssen.
Bei den Flugcontrollern hat man die Wahl zwischen NAZE32 oder CC3D. Ich persönlich kenne nur NAZE32 und kann es nur empfehlen. Es gibt eine Acro und eine Pro Version. Letztere hat noch einen Barometer und Magnetsensor verbaut. Optional könnte noch GPS und Sonar nachgerüstet werden. Dies ist allerdings bei einer Racer-Drohne unnötig.
Wem das Gebastel zu viel und die einzelnen Komponenten zu teuer sind, findet im Netz auch günstige Set’s, welche man für gut CHF 200.- bekommt. Allerdings sind diese wirklich nur für Anfänger geeignet.

  • RC Racer Frame – CHF 45.-
  • Motoren Set 2204/2300KV – CHF 70.-
  • Propeller Set 5×4 CW/CCW à 10 Paar- CHF 25.-
  • Regler Set 20A SimonK / BL-Heli / OneShot – CHF 60.-
  • Flugcontroller NAZE32 / CC3D / etc. – CHF 40.-
  • RC-Empfänger – CHF 30.-
  • TOTAL = CHF 270.-


Zubehör

Wer möchte kann seine Racer-Drohne noch mit LED’s aufmotzen und eine zusätzliche Kamera für Aufnahmen anbringen. Akkus braucht es natürlich auch noch. Im Normalfall sind das 4S 1300mAh 80C Akkus welche eine Flugzeit von 2-6 Minuten haben. Mindestens drei Stücken sollten es für den Anfang schon sein.

  • Flugakku 4S, 1300mAh 80C à 3 Stück- CHF 105.-
  • LED Beleuchtung – CHF 20.-
  • Kabel, Stecker, etc. – CHF 30.-
  • Action Kamera z.B. Runcam HD – CHF 120.-
  • TOTAL = CHF 275.-

 

Gesammttotal CHF 1’120.-. Ich bin gleich selbst überrascht wie teuer das ganze ist. Wobei auch ich anfangs nicht alles neu gekauft habe. So z.B. die Videobrille welche ich gebraucht online für 150.- statt 300.- gekauft habe.
Bestellt man die Ware aus dem Ausland, oder kauft man sich billig Set’s aus China oder in online Auktionshäusern halbiert sich der Preis schnell mal. So bekommt man ein Racer-Drohnen Set für 180.-, ein FPV Set für 100.- und einen Sender für 100.-. Rechnet man noch etwas Zubehör dazu ist man schlussendlich bei Total CHF 550.-.


Was ist zu beachten?

Beim Fliegen mit der Racer-Drohne gibt es einige wichtige Punkte welche zu beachten sind. Denn es wäre schade das leider ohnehin schon etwas schleche „Drohnenimage“ noch zu verschlechtern.

  1. Nie über bewohntem Gebiet, Privatgrundstücken oder Menschenansammlungen fliegen.
  2. Beim fliegen mit Videobrille immer eine zweite Aufsichtsperson dabei haben.
  3. Bei Videoaufnahmen unbeteiligte Drittpersonen informieren und das Video nicht ohne deren Erlaubnis veröffentlichen.
  4. Niemals ausser Sichtweite fliegen! Sonst gibt es solche Schlagzeilen…

Weitere Informationen und Details zu den gesetzlichen Gegebenheiten im Bezug auf den FPV-Modellflug in der Schweiz findest du im nachfolgenden Link.

Informationen und gesetzliche Vorschriften zum Modellflug

 

Weitere Informationen

Hilfreiche Info’s
Schweizer Shops


FPV-Racer Videos

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2 thoughts on “FPV Racing: Eine Racer-Drohne zusammenstellen

  1. Sehr interessanter Grundlagenartikel, vielen Dank!
    Die technische Entwicklung geht immer weiter und für technisch interessierte Leute und Fan-Piloten kommen dann noch OSD-Module (on Screen Display) für die Anzeige von Telemetrie- und anderen Daten wie z.bsp. künstlicher Horizont dazu. Viele davon kann man für die eigenen Bedürfnisse Programmieren.
    Anfangs gab es meist nur Kits für VPF-Racer auf dem Markt. Die Hersteller haben den braten gerochen und seit einiger Zeit sind nun ganz coole RTF (Ready to Fly) Quads erhältlich!

    Ganz speziell angetan bin ich von FPV-Racern die nicht nur schnell sind, sondern auch schön aussehen. Und da kommt man an der ANAKIN-Reihe des Herstellers SKY-HERO nicht vorbei. Auch die grossen Multikopter (SPY, SPYDER usw.) von SKY-HERO tragen das typische Design dieser Marke. SKY-HERO wird in der Schweiz von http://WWW.BTRADE.CH vertreten und dort bekommt man auch jederzeit Ersatzteile ab Lager.

    BTRADE vertreibt übrigens auch die fertigen FPV-Racer „RUNNER 250“ von WALKERA. Für den totalen Anfänger gibt’s den RUNNER 250 Advanced, der mit GPS ausgerüstet ist. Das „Halten“ an Ort und Stelle ist für Anfänger ein grosse Hilfe, weil der Quad an Ort und Stelle schwebt wenn man den Knüppel loslässt. Ohne GPS geht das nicht und wenn es windig ist wird der Copter davongetragen.

    Videobrillen mit eingebautem Empfänger (am besten Dual diversity = zwei Empfänger) sind etwas teurer als in Deinem Betrag angegeben, ziehe ich aber der Lösung mit einem externen Empfänger vor.

    Das Gesetz erlaubt hier bei uns und den meisten EU-Ländern nur 25mW Leistung bei den Videosendern. Da kanns schon mal passieren, dass durch Hindernisse, zu grosse Distanz oder durch andere störende Quellen das Bild in der Brille oder auf dem Monitor nicht mehr empfangen wird. Das führt dann leider meistens zum Absturz!
    In den USA ist, so glaube ich, ist viel mehr Sendeleistung zugelassen (250mW oder sogar 600mW?). Kennt jemand die Gründe für diese bei uns gesetzte Grenze von 25mW? Ich könnte mir vorstellen, dass das allenfalls nur historische Gründe hat und sich niemand beim BAKOM damit beschäftigt, resp. gewillt ist sich damit zu beschäftigen um vielleicht etwas bessere Bedingungen zu schaffen. Wer weiss mehr dazu?

    Übrigens: der BAKOM-Link zeigt nicht ans richtige Ort und der Link zum Händler „Profly.ch“ geht auch nicht. Gibt’s Profly nicht mehr?

    1. Hoi Oli

      Danke für deinen Kommentar. Ja mein Artikel ist schon etwas veraltet. Es geht aber auch rasant voran mit der Entwicklung. Ständig neue Flightcontroller, Firmware, Regler, Motoren, Props, Frames, etc.

      Ich persönlich halte nicht viel von RTF-Quads. Es hat sich in unserer Gruppe gezeigt das Eigenbau Quads den fertigen Quads, sprich Vendetta, Vortex250pro und Co. überlegen sind. Die sogenannten Kits sind unbrauchbar, genau wie der Walkera Runner auch. Das ist nur Billigware welche nicht lange Spass macht und höchstens für Einsteiger Sinn macht. Das mit dem Sky-Hero ist Geschmackssache. Mir gefällt er z.B. überhaupt nicht. Ein Racer-Quad soll wenns nach mit geht etwas ruechig-technisch aussehen.

      Über diversity Brillen lässt es sich streiten. Ich habe das Gefühl, dass seit der eine Kollege eine Brille mit diversity Empfänger hat, er umso mehr Störungen von anderen Racern hat.

      Was die 25mW Grenze angeht, ist es laut BAKOM halt so, dass alles was über 25mW ist angeblich Radio/TV/Funk stören könnte. Ob das aber wirklich so schlimm ist kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke diese Regelung sollte überarbeitet werden. Zumal das BAKOM scheinbar einfach willkürlich alle neuen Sender verbietet.
      In den USA ist mehr erlaubt. Ob es überhaupt eine Grenze gibt kann ich aber auch nicht sagen.

      Den BAKOM Link hab ich korrigiert und Profly gibt’s nicht mehr.